Flexibilität und Netzanschlussregeln

BESS-Steuerung: BMS, EMS und PCS erklärt

BMS, PCS und EMS im Batteriespeicher: Verantwortungsgrenzen, benötigte Daten und Zusammenspiel von Batterie, Standortsteuerung und Flexibilitätsdiensten.

Ein Batteriespeichersystem (BESS), das 100 kW Entladeleistung liefern soll, kann 60 kW abgeben und dennoch Erfolg melden. Die Anforderung durchläuft drei Steuerungsebenen, die unterschiedliche Entscheidungen treffen. Wer an die falsche Ebene schreibt oder den falschen Wert ausliest, meldet eine Leistung, die die Batterie nie geliefert hat. BMS bedeutet hier Batteriemanagementsystem, nicht Gebäudeleittechnik. Dieser Leitfaden gehört zur Reihe über Flexibilität.

Drei Ebenen

EbeneAufgabeVerantwortlich für
BMSZellspannungen, Ströme und Temperaturen messen; Ladezustand (SoC) und Gesundheitszustand (SoH) schätzen; Zellen schützenGrenzen für Lade- und Entladestrom, Schutzabschaltungen, DC-Schütze
PCSDC in AC und zurück umwandeln; Sollwerte für Wirk- und Blindleistung umsetzen; Netzanschlussregeln einhaltenTatsächliche AC-Leistung, Rampen, Netzschutz und Einstellungen für das Durchfahren von Netzstörungen
EMSLade- und Entladezeitpunkte wählen: Tarife, Lastspitzenbegrenzung, NetzdienstleistungenWirkleistungssollwert, Zeitplan, SoC-Reserve

Ein Schaltschrank kann alle drei Ebenen enthalten. Ein großer Standort kann ein BMS je Rack, mehrere PCS-Einheiten und ein Standort-EMS oder einen Anlagencontroller eines dritten Anbieters haben. Diese oberste Ebene setzt normalerweise auch die Bezugs- und Einspeisegrenzen am Netzanschlusspunkt durch. Ein Aggregator oder virtuelles Kraftwerk richtet Anforderungen an diese Ebene, nicht unmittelbar an PCS oder BMS.

Für jede Ebene gelten eigene Vorgaben. IEC 62619:2022 legt Sicherheitsanforderungen an industrielle Lithiumzellen und -batterien fest, einschließlich elektrischer Energiespeichersysteme. Sie umfasst Batteriesystem und Management, nicht nur die Zellen. Ihre zweite Ausgabe ergänzt Anforderungen an die Auslegung des Batteriesystems und an elektromagnetische Verträglichkeit. Das PCS muss die Anschlussregeln für Erzeugungsanlagen erfüllen: in Europa EN 50549-1 für Niederspannung und EN 50549-2 für Mittelspannung, die auch Speicher einbeziehen, sowie die Bedingungen des Netzbetreibers, etwa EREC G99 in Großbritannien. Diese Regeln legen Schutzeinstellungen, das Durchfahren von Frequenz- und Spannungsabweichungen und das Blindleistungsverhalten fest. Innerhalb dieser Grenzen arbeitet das EMS.

Grenzen, Anforderungen und gelieferte Leistung

Das BMS meldet, welchen Strom die Zellen momentan aufnehmen oder abgeben dürfen. PCS oder übergeordnetes EMS begrenzen den Sollwert darauf. Fordert das EMS bei aktuellem SoC und aktueller Zelltemperatur 100 kW Entladeleistung an, während das BMS nur 60 kW zulässt, liefert die Batterie höchstens 60 kW.

Die zulässige Leistung ändert sich während des Betriebs. Sie sinkt, wenn die Zelltemperatur den Herstellerbereich verlässt, und nimmt ab, wenn der SoC beim Entladen die Untergrenze oder beim Laden die Obergrenze erreicht. Lesen Sie den Grenzwert mindestens so häufig, wie Sie den Sollwert schreiben. Ein vor fünf Minuten gelesener Grenzwert zeigt nicht die momentan lieferbare Leistung.

Halten Sie drei Werte auseinander:

WertBeispiel
Angeforderte Leistung100 kW Entladung
Momentan zulässige Leistung60 kW gemäß BMS-Grenze
Tatsächliche Leistung58 kW, am PCS oder Zähler gemessen

Melden Sie die tatsächliche Leistung als Lieferung. Ein Dashboard, das den Sollwert als gelieferte Leistung zeigt, kann interne Tests bestehen und beim ersten Abgleich mit den Zählerdaten scheitern.

Auszulesende Daten

DatenWozu
Betriebszustand und AlarmeOb die Batterie überhaupt verfügbar ist
SoC sowie minimaler und maximaler SoCWie viel Energie oberhalb der Untergrenze verbleibt
SoH und NennenergieWie viel Energie eine volle Batterie jetzt enthält
Momentan zulässige maximale Lade- und Entladeleistung oder entsprechender StromWelche Leistung angeboten werden kann
Tatsächliche AC-Wirk- und BlindleistungWas geliefert wird
Aktiver Sollwert und seine QuelleWelches System gerade steuert
Zeitstempel und Qualität jedes WertsOb die Daten aktuell sind

Manche Produkte veröffentlichen diese Werte über SunSpec-Modbus-Modelle. Modell 802 (Batteriebasis) enthält SoC, SoH, die nominellen Grenzen SoCMin und SoCMax sowie die momentanen DC-Grenzen AChaMax und ADisChaMax. Modell 713 (Speicherkapazität verteilter Energieressourcen) enthält die Nennenergie WHRtg und verfügbare Energie WHAvail. Modell 701 (AC-Messung verteilter Energieressourcen) enthält die AC-Wirkleistung W; Modell 704 (AC-Steuerung) den Sollwert WSet. Viele gewerbliche und große BESS nutzen stattdessen eine herstellereigene Modbus-Registertabelle oder IEC 61850. Beschaffen Sie vor der Integrationsplanung die Registertabelle des Lieferanten.

SunSpec speichert die meisten Werte als Ganzzahl mit getrenntem Skalierungsfaktor. Der Wert ist das Register multipliziert mit 10 hoch Skalierungsfaktor. Ein W-Register mit 5800 und W_SF = 1 bedeutet 58 kW. Ohne Skalierungsfaktor zeigt das Dashboard 5,8 kW. Ist ein Wert genau 10-, 100- oder 1.000-mal zu groß oder zu klein, liegt fast immer ein Skalierungsfehler vor.

Dokumentieren Sie Einheit und Vorzeichenregel jedes Werts. Modell 701 meldet Wirkleistung bei Erzeugung positiv; Entladung ist also positiv. Ein Zähler am Batterieabgang, der Bezug als positiv zählt, zeigt dieselbe Entladung negativ. Eine falsche Vorzeichenregel an einer Stelle macht aus Entladung im Dashboard eine Ladung. Führen Sie bei der Inbetriebnahme eine kleine bekannte Entladung aus, beispielsweise 20 kW, und prüfen Sie, ob PCS, Zähler und Dashboard in der erwarteten Richtung reagieren.

Leistung, Energie und Laufzeit

Setzen Sie nutzbare Energie nicht mit SoC mal Nennenergie gleich. Beispiel: Eine Batterie mit 500 kW und 1 MWh steht bei 30 % SoC. Der SoC bezieht sich auf die Nennenergie, die SoC-Untergrenze liegt bei 10 %:

SchrittEnergie
Nennenergie mal SoC300 kWh
Abzüglich Energie unterhalb von 10 % SoC200 kWh DC
Abzüglich ungefähr 8 % Umwandlungsverlust beim Entladenungefähr 184 kWh AC
Laufzeit bei 500 kWungefähr 22 Minuten

Die 8 % Verlust folgen aus dem Rundlaufwirkungsgrad von 85 %, den die Annual Technology Baseline (ATB) des US-amerikanischen National Laboratory of the Rockies, früher NREL, für große Lithium-Ionen-Speicher annimmt: ungefähr 92 % in jede Richtung. Die oberflächliche Rechnung ergibt 36 Minuten; tatsächlich sind es etwa 22, oft weniger. Das BMS kann die Entladeleistung nahe der SoC-Untergrenze zurücknehmen. Dann liegen die letzten Minuten unter 500 kW. Klimatisierung und andere Hilfsverbraucher hängen am selben Anschluss: Der Standortzähler sieht daher weniger Einspeisung als das PCS meldet. An heißen Tagen ist dieser Unterschied am größten. Auch eine Reserve, die das EMS für einen anderen Dienst hält, reduziert die verfügbare Energie.

Prüfen Sie, wie das Produkt den SoC definiert. Modell 802 drückt ihn als Anteil der Nennenergie aus. Andere BMS beziehen ihn auf das nutzbare Fenster, dessen 0 % bereits an der Untergrenze liegen. Im obigen Beispiel mit Bezug auf die Nennkapazität bedeuten 30 % eine gespeicherte Energie von 300 kWh; 200 kWh DC liegen oberhalb der 10-%-Untergrenze. Bezieht sich der SoC stattdessen auf das nutzbare Fenster, multiplizieren Sie 30 % mit dessen dokumentierter Energiekapazität und ziehen die nominale Untergrenze nicht erneut ab.

SoC ist eine Schätzung. Lithium-Eisenphosphat-Zellen (LFP) haben über weite Teile ihres Bereichs eine flache Spannungskurve. Das BMS zählt deshalb hinein- und herausgeflossene Ladung. Der Fehler wächst, bis das BMS eine vollständige Ladung erkennt und neu kalibriert. Eine Batterie, die für einen Frequenzdienst wochenlang um 50 % SoC bleibt, kann um mehrere Prozentpunkte falsch liegen. Auch SoH verringert die Energie: Bei 90 % SoH hält eine 1-MWh-Batterie voll geladen ungefähr 900 kWh.

Die Ladezeit braucht eine eigene Rechnung und ist nicht die umgekehrte Entladelaufzeit. Nehmen Sie den kleineren Wert aus verfügbarem Ladestrom und Ladegrenze der Batterie, ziehen Sie gleichzeitig versorgte DC-Lasten ab und ergänzen Sie einen dokumentierten Zuschlag für die abnehmende Ladeleistung und den Zellenausgleich. Die Schätzung setzt voraus, dass diese Grenzen konstant bleiben.

Auch die Speicherwirtschaftlichkeit hat eine eigene Grenze. Die Stromgestehungskosten des Speichers (LCOS) teilen abgezinste Kosten über die Lebensdauer durch die abgezinste abgegebene AC-Energie. Ladeenergie, Ersatz und Kosten am Lebensende gehören in diese Rechnung. LCOS allein ist keine Prognose für Arbitrageerlöse oder Gewinn.

Zuständigkeit, Ablauf und Ausfall

Benennen Sie das eine System, das zu jedem Zeitpunkt den Wirkleistungssollwert verantwortet. Normalerweise ist es das Standort-EMS. Während einer Netzdienstleistung kann ein Aggregator seine Anforderung über das EMS senden oder ein lokaler Frequenzregler übernehmen. Alle anderen Systeme lesen nur und schreiben nicht. Veröffentlichen Sie den aktuellen Verantwortlichen als Statuswert. So ist eine manuelle oder lokale Übersteuerung als solche erkennbar und wird nicht als fehlgeschlagene Reaktion gedeutet.

Jeder externe Sollwert braucht eine Ablaufzeit. SunSpec-Modell 704 bietet dafür einen Mechanismus: Der Schreiber setzt einen Rückfallwert (WSetRvrt) und eine Rückfallzeit in Sekunden (WSetRvrtTms). Läuft die Zeit ohne neuen Schreibzugriff ab, wendet das PCS den Rückfallwert an. Produkte ohne SunSpec haben meist ein Heartbeat- oder Watchdog-Register für denselben Zweck. Setzen Sie die Rückfallzeit auf wenige Schreibintervalle. Wird alle 10 s ein Sollwert geschrieben, überstehen 30 bis 60 s Rückfallzeit einen verlorenen Schreibzugriff, ohne einen veralteten Befehl lange festzuhalten. Geben Sie jedem Befehl außerdem eine Sequenznummer oder einen Zeitstempel, damit eine in einer Warteschlange verzögerte Anforderung verworfen statt ausgeführt wird. Eine um zehn Minuten verspätete Entladeanforderung wäre eine neue, nicht angeforderte Entladung.

Legen Sie das Verhalten bei Verbindungsverlust mit dem PCS-Lieferanten und einer qualifizierten Fachkraft für die Standortsteuerung fest. Die Rückkehr zu 0 kW ist nur dort eine Option, wo die genehmigte Planung sie als geeignet festlegt; sie ist nicht generell sicher, insbesondere wenn die Batterie eine Insel oder kritische Lasten versorgt. Den letzten Sollwert zu halten ist riskant: Hält eine Batterie ohne übergeordnete Steuerung 500 kW Entladeleistung, entlädt sie sich bis zur SoC-Untergrenze. Sinkt die Standortlast, kann sie zudem die Einspeisegrenze überschreiten, wenn der Standortcontroller diese nicht separat durchsetzt. Eine Rückkehr zu einem lokalen Zeitplan funktioniert nur, wenn Zeitplan und Dienstleistungsvertrag dieselbe Verpflichtung vorsehen.

Nach einem Neustart einer beliebigen Ebene darf kein externer Sollwert gelten, bis der Verantwortliche einen neuen schreibt. Prüfen Sie, ob das PCS den letzten Sollwert nichtflüchtig speichert und beim Einschalten wieder anwendet.

Testen Sie jeden Fall nach dem genehmigten Prüfplan des Geräteverantwortlichen. Eine qualifizierte Fachkraft für Steuerungstechnik muss Betriebsart, Testleistung, Verfahren zur Simulation des Verbindungsverlusts, Rückfallzustand und zulässige Reaktionszeit für die konkrete Anlage wählen. Prüfen Sie die gemessene Reaktion gegen diesen genehmigten Rückfallzustand und dessen Zeitvorgaben einschließlich der eingestellten Rampe. Eine feste Entladeleistung oder das Abziehen eines Netzwerkkabels eignet sich nicht für jeden Standort. Der Leitfaden zur lokalen Steuerung gibt eine Struktur für die gesamte Fehlermatrix.

Modbus TCP besitzt keine Authentifizierung. Jeder Host mit Zugriff auf das PCS an Port 502 kann einen Sollwert schreiben. Legen Sie das Steuerungsnetz in ein eigenes Segment, getrennt von Büro- und internetnahen Netzen. Nur das zuständige System darf den Schreibport erreichen, wie NIST SP 800-82 es für OT-Netze beschreibt.

Nachweis für jeden Befehl

Dokumentieren Sie je Befehl Kennung, Quelle, Anforderung, Annahme, zum Zeitpunkt erlaubte Leistung, tatsächlich gemessene Leistung, messenden Zähler und Konfigurationsversion. Für das obige Beispiel könnte ein Datensatz so aussehen:

Protokollzeile
2026-09-18T14:02:10Z cmd=4812 src=EMS req=100kW discharge accepted=yes allowed=60kW actual=58kW meter=battery-feeder cfg=v14

Eine erfolgreiche Schreibantwort belegt nur die Ankunft des Befehls. Der Leitfaden zur BESS-Befehlsverifikation beschreibt die vollständige Prüffolge.

Batterien mit EpiSensor

Der ZDR-22 Demand Response Controller misst die Versorgung, folgt der Netzfrequenz und sendet über Modbus einen veränderlichen Leistungssollwert an Batterie oder USV. Er reagiert innerhalb von 100 ms auf ein Frequenzereignis, ohne auf eine entfernte Plattform zu warten. Er schreibt damit Sollwerte. Geben Sie ihm eine eigene Zeile in der Zuständigkeitsmatrix und vereinbaren Sie mit dem EMS-Lieferanten, welches System während eines Ereignisses Vorrang hat. Ein Gateway mit Edge liest die Modbus-Daten der Batterie zusammen mit den Standortzählern, hält die Historie vor Ort und leitet sie per MQTTS oder HTTPS an die Plattform des Dienstes weiter. Prüfen Sie vor der Inbetriebnahme die Registertabelle von EMS oder PCS der Batterie und führen Sie den oben beschriebenen Verbindungsverlusttest durch.

Häufige Fragen

Was unterscheidet BMS und EMS in einem Batteriesystem?

Das Batteriemanagementsystem (BMS) überwacht und schützt die Zellen: Es misst Spannung, Strom und Temperatur, schätzt den Ladezustand und setzt die Grenzen für Laden und Entladen. Das Energiemanagementsystem (EMS) entscheidet über den Einsatz der Batterie, etwa zur Begrenzung von Lastspitzen oder für einen Netzdienst, und sendet Leistungsanforderungen innerhalb dieser Grenzen.

Was ist das PCS eines BESS?

Das Power Conversion System ist ein bidirektionaler Wechselrichter. Es wandelt beim Entladen DC der Batterie in AC und beim Laden AC in DC um. Es empfängt vom EMS Sollwerte für Wirk- und Blindleistung, wendet die Schutzvorgaben des Netzanschlusses an und meldet die tatsächliche Leistung.

Welche Daten sollte ich von einem Batteriesystem lesen?

Betriebszustand, Alarme, Ladezustand, momentan maximal zulässige Lade- und Entladeleistung, tatsächliche AC-Leistung und aktiven Sollwert, jeweils mit Zeitstempel. Dokumentieren Sie die Vorzeichenregel jedes Werts.