Ein RS-485-Bus für Modbus RTU besteht aus einem durchgehenden verdrillten Leiterpaar von Gerät zu Gerät, einem Abschluss an jedem physischen Ende und Bias an genau einer Stelle, falls nötig. Die meisten RS-485-Fehler entstehen durch Verstöße gegen diese Regeln: sternförmige Abzweige, ein dritter Abschluss, Bias an zwei Geräten oder vertauschte Leiter. Dieser Leitfaden erklärt jede Regel und die Prüfung der installierten Anlage.
Dieser Leitfaden gehört zur Reihe über Modbus und RS-485. Der Vergleich von RS-485 und Modbus erläutert, was die beiden Begriffe jeweils definieren. Die protokollspezifischen Werte stammen aus dem Modbus-Leitfaden für serielle Leitungen. Vergleichen Sie sie immer mit den Anweisungen für die genauen Geräte.
Einen durchgehenden Leitungstrang verdrahten
Führen Sie ein Kabel vom ersten bis zum letzten Gerät und schließen Sie die weiteren Geräte entlang des Kabels an. Verzweigen Sie den Bus nicht sternförmig.
Jede Verbindung vom Strang zum Gerät ist eine Stichleitung (im Modbus-Leitfaden „derivation“). Halten Sie sie so kurz, wie die Klemmen es erlauben. Der Leitfaden begrenzt eine einzelne Stichleitung auf 20 m und bei einem Mehrfachabzweig die Länge auf 40 m geteilt durch die Zahl der Stichleitungen. Ein langer Abzweig zu einem entfernten Zähler ist ein zweiter Leitungstrang und braucht einen Repeater.
Zeichnen Sie den Bus im eingebauten Zustand: Kabelweg, Länge jedes Abschnitts, alle Geräte, Verbindungsstellen und Repeater. Der Master muss nicht an einem Ende sitzen. Ein Controller in einem mittleren Schaltschrank liegt in der Mitte des Strangs.
Beide Enden abschließen und nur diese
Ein Abschluss verhindert Reflexionen am Leitungsende. Er liegt zwischen den beiden Signalleitern an jedem physischen Ende des Strangs. Der Modbus-Leitfaden verlangt einen Abschluss nahe jedem Ende und erlaubt höchstens zwei an einem Leiterpaar. Einen Abschluss an einer Stichleitung untersagt er ebenfalls.
Der Widerstand sollte zur charakteristischen Impedanz des Kabels passen, bei verdrilltem RS-485-Leiterpaar meist 120 Ω. Der Modbus-Leitfaden nennt zwei Varianten:
- einen Widerstand von 150 Ω und 0,5 W; oder
- einen Widerstand von 120 Ω und 0,25 W in Reihe mit einem Kondensator von 1 nF. Diese Variante ist bei Bus-Bias vorzuziehen.
Viele Zähler und Schnittstellen haben einen eingebauten Abschluss, der per Schalter oder Steckbrücke aktiviert wird. Zählen Sie alle eingeschalteten Abschlüsse. Sie liegen parallel; jeder zusätzliche senkt die Lastimpedanz für die Treiber:
| Eingeschaltete Abschlüsse zu je 120 Ω | Parallelwiderstand |
|---|---|
| 2 (richtig) | 60 Ω |
| 3 | 40 Ω |
| 4 | 30 Ω |
Der Prüfer für RS-485-Abschluss und Bias erkennt Widersprüche wie drei Abschlüsse oder Bias an zwei Stellen:
Bias an einer Stelle, wenn ein Gerät ihn braucht
Wenn kein Gerät sendet, treibt niemand den Bus. Ein Empfänger kann Rauschen dann als Daten deuten. Bias, im Modbus-Leitfaden „polarisation“, hält den ruhenden Bus in einem definierten Zustand: ein Pull-up-Widerstand von D1 nach 5 V und ein Pull-down-Widerstand von D0 zum gemeinsamen Leiter. Der Modbus-Leitfaden gibt folgende Regeln vor:
- Aus der Dokumentation jedes Geräts muss hervorgehen, ob es Bias benötigt oder bereitstellt;
- benötigt mindestens ein Gerät Bias, setzen Sie genau ein Widerstandspaar von 450 bis 650 Ω an einer Stelle des ganzen Busses, meist am Master;
- kein weiteres Gerät darf Bias anlegen;
- mit Bias sinkt die zulässige Gerätezahl auf dem Bus um vier.
Viele moderne Transceiver sind „failsafe“ und erkennen einen ruhenden Bus auch ohne Bias richtig. Prüfen Sie die Gerätedokumentation, statt Bias routinemäßig hinzuzufügen.
Warum Abschluss und Bias zusammenhängen
Ein Empfänger benötigt mindestens 200 mV zwischen den Signalleitern für einen definierten Zustand. Bias erzeugt diese Spannung über einen Spannungsteiler mit den Abschlüssen. Bei ruhendem Bus, 5-V-Bias-Versorgung und 650-Ω-Widerständen gilt:
| Abschlüsse | Last zwischen den Leitern | Ruhespannung |
|---|---|---|
| Zwei Widerstände zu 150 Ω | 75 Ω | 0,27 V |
| Zwei Widerstände zu 120 Ω | 60 Ω | 0,22 V |
| Zwei 120-Ω-Widerstände mit 1-nF-Kondensatoren | Keine Gleichstromlast | Deutlich über 0,2 V |
Mit einfachen 120-Ω-Abschlüssen bleibt über den erforderlichen 200 mV kaum Reserve, noch bevor Toleranzen oder Rauschen hinzukommen. Deshalb bevorzugt der Modbus-Leitfaden am Bus mit Bias die Kondensatorvariante: Der Kondensator sperrt den Gleichstrom des Bias, während der Widerstand schnelle Signalflanken weiterhin abschließt. Diese Zahlen berücksichtigen Empfänger, Kabel und Bauteiltoleranzen nicht. Sie erklären die Auslegung, sind aber kein Abnahmenachweis für den Bus.
Polarität, gemeinsamer Leiter und Schirm
A und B werden nicht einheitlich verwendet. Der Modbus-Leitfaden nennt die Leiter D0 und D1 und ordnet sie den RS-485-Klemmen A/A' und B/B' zu. Hersteller halten sich nicht durchgängig daran. Manche beschriften A/B umgekehrt, andere verwenden D+/D−, 485+/485− oder TX+/TX−. Entscheidend ist die Signaldefinition im Handbuch jedes Geräts, nicht der Buchstabe an der Klemme. Der Modbus-Leitfaden empfiehlt Gelb für D1, Braun für D0 und Grau für den gemeinsamen Leiter.
Gemeinsamen Leiter anschließen. RS-485 ist differenziell, doch die Leiterspannungen müssen innerhalb des zulässigen Gleichtaktbereichs der Empfänger bleiben. Der Modbus-Leitfaden sieht einen gemeinsamen Leiter vor, der nur an einer Stelle, üblicherweise am Master, mit Schutzleiter verbunden wird. Bei galvanisch getrennten Schnittstellen kann die Auslegung anders sein. Befolgen Sie Gerätedokumentation und Erdungskonzept des Standorts.
Schirm separat behandeln. Schirm, Signalbezug und Schutzleiter haben unterschiedliche Aufgaben. Verbinden Sie sie nicht ohne Auslegung miteinander.
Kabellänge, Geräte und Baudrate
| Grenze | Wert im Modbus-Leitfaden für serielle Leitungen |
|---|---|
| Länge des Leitungstrangs | 1.000 m bis 9.600 Baud mit AWG 26 oder dicker; halbiert bei Vierdrahtkabel im Zweidrahtbetrieb |
| Kabel der Kategorie 5 | Bis 600 m |
| Länge einer Stichleitung | Höchstens 20 m |
| Geräte ohne Repeater | 32 oder mehr bei dokumentierten Geräten mit niedriger Unit Load; mit Bias vier weniger |
| Adressen | 1 bis 247 |
Höhere Baudraten, mehr Geräte und schlechteres Kabel verkürzen die mögliche Länge. Der TI-Leitfaden zur RS-485-Auslegung erklärt, wie Kabelkapazität und Anstiegszeit des Signals die praktische Grenze bestimmen.
Ein elektrisch korrekter Bus kann dennoch zu langsam sein. Der Rechner für Modbus-RTU-Zeitbedarf zeigt die Dauer eines Abfragezyklus. Eine höhere Baudrate verkürzt die Übertragungszeit, nicht die Antwortzeit jedes Geräts; ein ausgefallenes Gerät kann jeden Zyklus um einen vollen Timeout verlängern.
Symptome und wahrscheinliche Ursachen
| Symptom | Zuerst prüfen |
|---|---|
| Kein Gerät antwortet | Serielle Einstellungen, Adressen, Polarität der Masterklemmen |
| Ein Gerät antwortet nie | Adresse, serielle Einstellungen, Polarität und Stichleitung dieses Geräts |
| Antworten mit CRC-Fehlern, häufiger bei höheren Baudraten | Abschlüsse an falschen Stellen, lange Stichleitungen, sternförmiger Abzweig |
| Fehler bei ruhendem Bus oder beim ersten Frame | Fehlender oder doppelter Bias |
| Fehler nach Anschluss eines zweiten Masters | Zwei Master an einem Bus; nur einer darf abfragen |
| Korrekte Antworten, aber falsche Werte | Kein Verdrahtungsfehler: Registertabelle und Datentyp prüfen |
Ändern Sie jeweils nur eine Sache und dokumentieren Sie die Änderung. Der Leitfaden zur Modbus-Fehlersuche behandelt die Protokollfehler.
Kurzer Bus mit einem ZMB
Ein ZMB Modbus Interface sitzt neben dem auszulesenden Gerät und sendet die Registerwerte über das Zigbee-Mesh an das Gateway. Das RS-485-Kabel verläuft so nur wenige Meter innerhalb einer Verteilung statt durch das ganze Gebäude; das ZMB ist der Master an einem Ende dieses kurzen Strangs. Der Leitfaden zur Modbus-RS-485-Inbetriebnahme enthält die vollständige Prüffolge.
Häufige Fragen
Wo sitzen RS-485-Abschlusswiderstände?
Zwischen den beiden Signalleitern an jedem physischen Ende des Leitungstrangs und nur dort. Zwei Abschlüsse je Bus sind die Regel; der Modbus-Leitfaden erlaubt nicht mehr als zwei an einem Leiterpaar. Sitzt der Master in der Mitte des Kabelwegs, darf er keinen Abschluss setzen.
Welchen Wert muss ein RS-485-Abschlusswiderstand haben?
Er sollte zur charakteristischen Impedanz des Kabels passen, bei verdrilltem RS-485-Leiterpaar meist 120 Ω. Der Modbus-Leitfaden erlaubt 150 Ω (0,5 W) oder 120 Ω (0,25 W) in Reihe mit einem Kondensator von 1 nF, wenn Bias anliegt.
Was ist RS-485-Bias (Polarisation)?
Ein Pull-up-Widerstand an einem Signalleiter und ein Pull-down-Widerstand am anderen, an einer einzigen Stelle eingebaut. So sehen die Empfänger einen definierten Ruhezustand, wenn kein Gerät sendet. Der Modbus-Leitfaden gibt 450 bis 650 Ω gegen 5 V beziehungsweise den gemeinsamen Leiter vor.
Wie lang darf ein RS-485-Kabel sein?
Der Modbus-Leitfaden nennt 1.000 m bei 9.600 Baud mit AWG 26 oder dickerem Kabel. Bei Vierdrahtkabel im Zweidrahtbetrieb halbiert sich die Länge. Höhere Baudraten, mehr Geräte und schlechteres Kabel verkürzen sie.
Wie viele Geräte passen auf einen RS-485-Bus?
Ohne Repeater 32 Standard-Unit-Loads. Geräte mit geringerer Unit Load ermöglichen mehr Teilnehmer, sofern ihre Dokumentation dies bestätigt. Mit Bias reduziert der Modbus-Leitfaden die zulässige Zahl um vier.