Flexibilität und Netzanschlussregeln

Was ist ein Microgrid? Komponenten, Arten und Steuerung

Ein Microgrid ist ein lokaler Verbund aus Lasten, Erzeugung und Speicher, der netzparallel oder als Insel läuft. Komponenten, Arten, Steuerung und Inselbildung.

Das US-Energieministerium definiert ein Microgrid als eine Gruppe verbundener Lasten und verteilter Energieressourcen innerhalb klar festgelegter elektrischer Grenzen, die gegenüber dem Netz als eine steuerbare Einheit wirkt. Es kann sich mit dem Netz verbinden und davon trennen, also netzparallel oder als Insel betrieben werden.

Im Betrieb wechselt ein Microgrid zwischen drei Zuständen. Im Netzparallelbetrieb gibt das öffentliche Netz Spannung und Frequenz vor, und die Steuerung betreibt PV, Batterie und Generatoren nach Tarif und Anschlussgrenzen. Fällt das Netz aus, öffnet der Leistungsschalter am Netzanschlusspunkt, eine netzbildende Quelle wie ein Batteriewechselrichter oder ein Generator übernimmt Spannung und Frequenz, und die Steuerung schaltet die Lasten ab, die die Insel nicht tragen kann. Kehrt das Netz zurück, gleicht die Steuerung Spannung, Frequenz und Phasenwinkel an das Netz an und schließt den Leistungsschalter wieder.

Die anspruchsvolle Technik steckt im Inselbetrieb. Photovoltaik und Batterie parallel zum Netz zu betreiben ist ein gewöhnliches Projekt hinter dem Netzanschlusspunkt. Für eine Insel braucht es eine Quelle, die Spannung und Frequenz vorgibt, ausreichend kVA für Lastsprünge, ausreichend kWh für den Ausfall, einen Schutz, der Fehler auch in der Insel noch abschaltet, und eine geregelte Rückkehr ins Netz. Ein Microgrid lohnt sich, wenn ein Ausfall den Standort mehr kostet als Steuerung, Schaltanlagen, Speicher und die nötigen Studien.

Komponenten eines Microgrids

KomponenteAufgabeTypische Ausrüstung
ErzeugungLiefert Energie. Nur eine netzbildende Quelle kann eine Insel allein haltenPV und Wind an netzfolgenden Wechselrichtern, Diesel- oder Gasaggregate, Kraft-Wärme-Kopplung
EnergiespeicherFängt Lastsprünge ab, hält die Reserve der Insel und verschiebt im Netzparallelbetrieb EnergieEin Batteriespeichersystem: Zellen, Batteriemanagementsystem und bidirektionaler Wechselrichter
LastenGruppiert danach, wie lange jede ohne Versorgung auskommtAbgänge mit Leistungsschaltern oder Schützen, Befehle an die Gebäudeleittechnik, Leistungsgrenzen für EV-Ladepunkte und Antriebe
NetzanschlusspunktVerbindet das Microgrid mit dem Netz und trennt es davonLeistungsschalter oder Schaltanlage, Netz- und Anlagenschutz, Synchronprüfrelais, Neutralleiter-Erdungs-Schalter
Microgrid-SteuerungSetzt die Ressourcen ein und führt die Übergänge zwischen den Betriebsarten ausEine eigene Steuerung mit eigenen schnellen Messungen am Netzanschlusspunkt
Schutz und MessungSchaltet Fehler in beiden Betriebsarten ab und zeichnet die Ereignisse aufSchutzrelais mit Parametersätzen, Messumformer, Zähler und Standortüberwachung

Erzeugung

Für den Inselbetrieb ist entscheidend, ob eine Quelle netzbildend oder netzfolgend arbeitet. Ein netzfolgender Wechselrichter misst die Netzspannung und speist dazu synchron Strom ein. Fast alle PV-Wechselrichter arbeiten so. Fällt das Netz weg, fehlt ihnen die Referenz und der Netz- und Anlagenschutz trennt sie. IEEE 1547-2018 verlangt, dass eine dezentrale Energieressource eine unbeabsichtigte Insel erkennt und innerhalb von 2 s nicht mehr einspeist. In Großbritannien legt G99 für den Netzausfallschutz eine Frequenzänderungsrate (RoCoF) von 1 Hz/s mit 0,5 s Verzögerung fest; Vektorsprung wird nicht akzeptiert.

Eine netzbildende Quelle gibt Spannung und Frequenz selbst vor. Ein Synchrongenerator kann das von sich aus. Ein Batteriewechselrichter kann es nur mit einer netzbildenden Betriebsart, die die Steuerung auswählt. Sobald eine netzbildende Quelle die Insel stabil hält, erkennen netzfolgende PV-Wechselrichter wieder eine Spannung, schalten nach ihrer Wiederanlaufverzögerung zu und speisen Energie ein.

Diesel- und Gasmotoraggregate sind steuerbar, aber langsam. Ein Notstromaggregat nach NFPA 110 Type 10 stellt die Versorgung innerhalb von 10 s nach dem Ausfall wieder her. Läuft ein Dieselmotor lange bei geringer Last, können sich unverbrannte Rückstände ablagern. NFPA 110 setzt für die monatliche Prüfung 30 % der Nennleistung in kW als Mindestlast an; derselbe Wert ist eine vernünftige Untergrenze für den Inselbetrieb. Kraft-Wärme-Kopplung richtet sich nach dem Wärmebedarf; ihre elektrische Leistung steht nur zur Verfügung, solange dieser Bedarf besteht.

Speicher

In vielen modernen Microgrids bildet der Batteriewechselrichter das Netz während der ersten Sekunden bis Stunden einer Insel. Dieser Wechselrichter ist das Power Conversion System (PCS) der Batterie, auch Power Conditioning System genannt. Er wandelt in beide Richtungen zwischen dem Gleichstrom der Batterie und dem Wechselstrom des Standorts und gibt im netzbildenden Modus Spannung und Frequenz der Insel vor. BESS-Steuerung: BMS, EMS und PCS erklärt beschreibt, wie Batteriemanagementsystem, PCS und Energiemanagementsystem die Aufgaben teilen. Dimensionieren Sie das Batteriesystem auf zwei Arten. Die kVA-Nennleistung des Wechselrichters muss die weiter versorgten Lasten einschließlich Blindleistung und Motoranlauf tragen. Die nutzbaren kWh der Batterie oberhalb der von der Steuerung reservierten Mindestladung bestimmen, wie lange die Insel läuft, bevor ein Generator übernimmt oder Lasten abgeschaltet werden. Das Rechenbeispiel unten zeigt beides.

Lasten

Ordnen Sie Lasten danach, wie lange sie ohne Versorgung auskommen: Sekunden, Minuten oder Stunden. Die Einteilung ist standortabhängig und muss mit dem Betriebsteam vereinbart werden. Sicherheitssysteme, IT und Prozesssteuerungen brauchen meist eine unterbrechungsfreie Versorgung und hängen zusätzlich an einer USV. Ein Kühlhaus übersteht bei geschlossenen Türen möglicherweise eine Stunde oder länger. Viele Produktionslinien vertragen selbst eine kurze Unterbrechung nicht: Ein gestoppter Produktionslauf kann Ausschuss erzeugen und der Neustart Stunden dauern. Solche Linien gehören zur kritischen Gruppe oder werden vor dem Inselübergang geordnet angehalten. EV-Laden, Raumheizung und Druckluft können meist warten.

Die Steuerung schaltet eine Gruppe über ihren Leistungsschalter oder Schütz, per Befehl an die Gebäudeleittechnik oder per Leistungsgrenze für einen EV-Ladepunkt oder drehzahlgeregelten Antrieb ab. Jeder Pfad hat seine eigene Verzögerung und muss im tatsächlichen Inselbetrieb geprüft werden.

Netzanschlusspunkt

Der Netzanschlusspunkt, Point of Common Coupling (PCC), ist der Schalter zwischen Microgrid und Netz. Er öffnet zur Inselbildung und schließt nach der Resynchronisierung. Die Anschlussregeln folgen den örtlichen Vorschriften. In Nordamerika behandelt IEEE 1547-2018 in Abschnitt 8 unbeabsichtigte und geplante Inseln. In Großbritannien regelt G99, Abschnitt 9.6.2, den Inselbetrieb einer Kundenanlage und macht den Betreiber der Erzeugungsanlage für sichere Synchronisierung und Trennung verantwortlich. Im übrigen Europa gelten EN 50549-1 und nationale Netzanschlussregeln. Der G99-Leitfaden behandelt den Netz- und Anlagenschutz ausführlicher.

Beim Öffnen des PCC ändert sich auch die Erdung. Bezieht der Standort seinen Neutralleiter-Erdungs-Punkt aus einem Netztransformator auf der Netzseite des PCC, fehlt der Insel eine Erdungsreferenz, bis ein Neutralleiter-Erdungs-Schalter auf der Standortseite schließt. G99, Abschnitt 8, zeigt typische Anordnungen: Dieser Schalter ist im Parallelbetrieb offen und im Inselbetrieb geschlossen.

Microgrid-Steuerung und Steuerungsebenen

IEEE 2030.7 beschreibt Kernfunktionen einer Microgrid-Steuerung, darunter die Einsatzplanung der Energieressourcen und den Übergang zwischen Netzparallel- und Inselbetrieb. Praktisch erkennt die Steuerung einen Netzausfall, öffnet den PCC, wählt die netzbildende Quelle, schaltet Lastgruppen ab und wieder zu, synchronisiert die Insel und schließt den PCC. Falls vorgesehen, wechselt sie dabei auch die Parametersätze der Schutzrelais.

Die Einsatzplanung hat eine Reihenfolge: Zuerst muss genügend rotierende Reserve und Batterieladung für den nächsten Ausfall verfügbar sein. Danach hält die Steuerung Generatoren oberhalb ihrer Mindestlast. Erst wenn diese Grenzen eingehalten werden, optimiert sie die Kosten.

Die Steuerung eines Microgrids wird üblicherweise in drei Ebenen gegliedert. Die Übersicht von Olivares und anderen in IEEE Transactions on Smart Grid verwendet diese Struktur:

EbeneWo sie läuftZeitbereichAufgabe
PrimärJeder Wechselrichter- und GeneratorreglerMillisekunden bis wenige NetzperiodenSpannungs- und Stromregelung, Lastaufteilung per Droop zwischen netzbildenden Quellen, Strombegrenzung
SekundärMicrogrid-SteuerungSekunden bis MinutenFührt Frequenz und Spannung nach einer Droop-Abweichung auf den Nennwert zurück, legt den Einsatz fest, schaltet Lasten ab und wieder zu, resynchronisiert
TertiärMicrogrid-Steuerung oder ein Energiemanagementsystem des StandortsMinuten bis StundenPlant nach Tarifen, Prognosen und Marktsignalen und stimmt sich mit dem Netzbetreiber ab

Prognose- und Optimierungssoftware, einschließlich Last- und PV-Prognosen mit maschinellem Lernen, arbeitet auf der Tertiärebene. Sie ändert den Fahrplan. Inselbildung, Lastabschaltung und Resynchronisierung hängen weiterhin von Primär- und Sekundärebene und vom Schutz ab.

Arten von Microgrids

Das Microgrid-Faktenblatt des US-Energieministeriums beschreibt Microgrids, die netzparallel, im Inselbetrieb oder vollständig netzunabhängig laufen. In der Praxis sind vier Anordnungen verbreitet:

ArtNetzanschlussTypische QuellenTypische Standorte
Standort- oder Campus-MicrogridEin Anschluss an das Verteilnetz, Inselbetrieb bei NetzausfallPV, Batterie, Notstromaggregate, Kraft-Wärme-KopplungKrankenhäuser, Hochschulen, Fabriken, Rechenzentren, Militärstützpunkte
Gemeinde- oder Netzbetreiber-MicrogridTeil des Verteilnetzes, oft vom Netzbetreiber betrieben, versorgt mehrere KundenBatterie, Generatoren, lokale PVEin Netzabgang, der Rettungsdienste, Notunterkünfte oder ein Stadtzentrum versorgt
Abgelegenes oder netzunabhängiges MicrogridKein Netzanschluss, daher immer eine Insel mit laufender netzbildender QuelleDieselaggregate, PV, Wind, BatterieInseln, Bergwerke, abgelegene Gemeinden, Telekommunikationsstandorte
Vernetzte MicrogridsMehrere Microgrids, die sich untereinander und mit dem Netz verbinden könnenAlle oben genanntenBenachbarte Campusse oder Netzabgänge, die sich Reserve teilen

Die meisten Microgrids verteilen Wechselstrom. Ein DC-Microgrid verbindet PV, Batterien und Gleichstromlasten wie EV-Ladepunkte oder IT-Geräte an einer gemeinsamen Gleichstromschiene und ist über einen einzigen Wechselrichter an das Wechselstromnetz angeschlossen. Das spart Umwandlungsstufen zwischen den Quellen und diesen Lasten. Ein Solar-Microgrid besteht aus PV mit Speicher und einem netzbildenden Batteriewechselrichter. PV allein kann keine Insel halten, aus den oben im Abschnitt zur Erzeugung genannten Gründen.

Betriebsarten

Netzparallelbetrieb

Das öffentliche Netz gibt Spannung und Frequenz vor und gleicht jede Leistungsdifferenz aus. Die Steuerung nutzt PV, lädt die Batterie bei niedrigen Tarifen, entlädt sie bei Spitzen und kann Flexibilität für Demand Response und Frequenzmärkte anbieten. Dabei gelten die Anschlussvereinbarung am PCC einschließlich einer möglichen Einspeisegrenze und die für den Inselbetrieb zurückgehaltene Reserve.

Übergang zum Inselbetrieb

Ein geplanter Inselübergang verläuft gleichmäßig. Die Steuerung fährt den Leistungsfluss am PCC gegen null, der Batteriewechselrichter wechselt in den netzbildenden Modus und der PCC öffnet ohne Unterbrechung der Lasten. IEEE 1547-2018 bezeichnet dies als geplante Inselbildung und nennt einen herannahenden Sturm als möglichen Anlass.

Eine ungeplante Insel beginnt mit einem Fehler oder Ausfall. Der Schutz am PCC erkennt ihn und öffnet den Schalter; danach bildet die Steuerung die Insel. Lief zuvor kein netzbildender Wechselrichter parallel zum Netz, erleben die Lasten eine Unterbrechung aus Erkennungszeit, Schaltzeit und Anlaufzeit. Die PV-Wechselrichter trennen sich beim Netzausfall und kommen erst zurück, wenn die Insel eine Weile stabil ist. Der erste Lastsprung am Batteriewechselrichter umfasst deshalb die gesamte weiter versorgte Last ohne PV-Beitrag.

Inselbetrieb

Der Insel fehlt das Netz, das einen Überschuss aufnimmt oder ein Defizit deckt. Bildet ein Generator das Netz, sinkt bei Überlast die Frequenz; eine gestufte Unterfrequenz-Lastabschaltung funktioniert wie gewohnt. Bildet ein Batteriewechselrichter das Netz, ergibt sich die Frequenz aus seiner Droop-Einstellung. Die Steuerung schaltet dann Lasten ab, wenn die gemessene Leistung an die verfügbaren kW des Wechselrichters heranreicht oder der Ladezustand seine Untergrenze erreicht.

PV-Überschuss ist das Gegenproblem. Ist die Batterie voll, erhöht der netzbildende Wechselrichter die Frequenz. Nach G99, Abschnitt 11.2.4, reduzieren PV-Wechselrichter ihre Wirkleistung oberhalb von 50,4 Hz; EN 50549-1 enthält eine entsprechende Überfrequenzreaktion. Die Steuerung kann PV auch unmittelbar über Modbus abregeln. Funktioniert beides nicht, kann die Batterie die Energie nicht aufnehmen und die Insel schaltet wegen Überfrequenz oder Überspannung ab.

Resynchronisierung und Wiederzuschaltung

Vor dem Schließen des PCC gleicht die Steuerung Spannung, Frequenz und Phasenwinkel der Insel an das Netz an. Ein Synchronprüfrelais (ANSI-Gerätenummer 25) bestätigt die Übereinstimmung. IEEE 1547-2018 setzt folgende Grenzen nach der Gesamtleistung:

GesamtleistungFrequenzdifferenzSpannungsdifferenzPhasenwinkeldifferenz
Bis 500 kVA0,3 Hz10 %20°
Über 500 bis 1.500 kVA0,2 Hz5 %15°
Über 1.500 kVA0,1 Hz3 %10°

In Großbritannien verweist G99, Abschnitt 9.6.2.4, für die beim Schließen zulässige Spannungsstörung auf EREC P28. Ein Schließen außerhalb der Grenzen belastet Generatorwellen mit einem Drehmomentstoß und verursacht einen Stromstoß am PCC.

Rechenbeispiel: Insel dimensionieren

Ein Lebensmittelbetrieb wird über einen Transformator mit 1.000 kVA, 11/0,4 kV und 5 % Impedanz versorgt. Seine maximale Netzbezugsleistung beträgt 850 kW. Er hat 400 kWp PV an netzfolgenden Wechselrichtern, eine Batterie mit 500 kW / 1.000 kWh an einem netzbildenden 500-kVA-Wechselrichter und ein Diesel-Notstromaggregat mit 500 kVA (400 kW bei Leistungsfaktor 0,8).

Bei Netzausfall bleiben 350 kW versorgt: 60 kW für Steuerung, IT und Sicherheit, 220 kW für die Kühlung des Kühlhauses und 70 kW in der Packhalle. Prozesswärme, Druckluft, Büroklimatisierung und EV-Ladepunkte werden abgeschaltet.

Wechselrichterleistung und Motoranlauf

Bei Leistungsfaktor 0,85 entsprechen 350 kW etwa 412 kVA. Vom 500-kVA-Wechselrichter bleiben 88 kVA Reserve. Motoranläufe beanspruchen sie. Ein Kältekompressor mit 55 kW benötigt im Betrieb etwa 69 kVA und beim Direktanlauf für ein bis zwei Sekunden ungefähr das Sechsfache, 410 kVA. Der Anlaufstrom hat einen niedrigen Leistungsfaktor von etwa 0,35 und addiert sich vektoriell zu den übrigen 343 kVA. Die Summe beträgt etwa 710 kVA, also das 1,4-Fache der Wechselrichternennleistung und liegt nahe seiner Stromgrenze. Die Spannung bricht ein; die Schütze anderer Kompressoren können abfallen. Mit Frequenzumrichtern oder Sanftanläufern und einem einzeln gestaffelten Neustart durch die Steuerung bleibt der Lastsprung innerhalb der Nennleistung. Der Rechner für kW, kVA, kvar und Leistungsfaktor rechnet zwischen diesen Größen um.

Energiereserve

Der Betreiber legt eine Ladezustandsuntergrenze von 40 % fest. Damit bleiben 400 kWh für die Insel zurück. Bei 350 kW reichen sie vor Wechselrichterverlusten ungefähr 68 Minuten: Zeit, um das Dieselaggregat zu starten, notfalls von Hand, wenn der automatische Start scheitert. Die Reserve kostet Flexibilität: Nur 600 kWh der 1.000 kWh stehen für Tarifoptimierung und Lastspitzenreduktion zur Verfügung. Vor einer Sturmwarnung kann die Steuerung die Untergrenze erhöhen und danach wieder senken. Der Rechner Batterielaufzeit führt diese Rechnung für andere Lasten, Kapazitäten und Untergrenzen aus.

Generatorauslastung

Tagsüber entsprechen 350 kW Insellast 88 % der 400-kW-Nennleistung des Aggregats. Nachts sinkt die weiter versorgte Last auf etwa 110 kW, also 28 % und damit unter die 30-%-Grenze. Die Steuerung kann das Aggregat durch Batterieladung auf etwa 75 % belasten, dann abschalten und die Insel aus der Batterie versorgen, bis deren Ladezustand wieder die Untergrenze erreicht. Der Rechner für den Kraftstoffverbrauch von Generatoren schätzt den Verbrauch in beiden Betriebsarten.

Schutz im Inselbetrieb

Am selben Betrieb zeigt sich, warum der Schutz geändert werden muss. Der Nennstrom des Transformators bei 400 V beträgt 1.443 A. Bei 5 % Impedanz und einem starken 11-kV-Netz fließen an seinen Klemmen im Fehlerfall ungefähr 28,9 kA. Der Transformatorstrom-Rechner berechnet beide Werte. Der Nennstrom des Batteriewechselrichters beträgt 722 A. Laut Sandia National Laboratories liefern netzbildende und netzfolgende Wechselrichter im stationären Fehlerfall ungefähr das 1,1- bis 1,5-Fache ihres Nennstroms, hier 790 bis 1.080 A.

Die Packhalle hängt an einem 250-A-Kompaktleistungsschalter. Seine unverzögerte Auslösung ist auf das Zehnfache des Nennstroms eingestellt, also 2.500 A. Am Netz fließen bei einem Fehler in der Packhallenverteilung mehrere Kiloampere; der Schalter löst in wenigen zehn Millisekunden aus. In einer nur von der Batterie versorgten Insel fließen höchstens 1.080 A, also das 4,3-Fache des Schalternennstroms. Die unverzögerte Stufe spricht nicht an; die thermische Stufe braucht viele Sekunden. Währenddessen bricht die Spannung in der ganzen Insel ein. Möglicherweise löst der Wechselrichter selbst aus, bevor der Schalter öffnet. Dann fällt die ganze Insel statt nur eines Abgangs aus.

Mit laufendem Dieselaggregat ändert sich die Lage erneut. Ein Synchrongenerator mit 15 % subtransienter Reaktanz liefert in den ersten Netzperioden etwa 1 / 0,15 = 6,7-mal seinen Nennstrom, bei diesem Aggregat ungefähr 4.800 A, bevor der Strom abklingt. Der Fehlerstrom hängt also davon ab, welche Quellen zugeschaltet sind. Übliche Lösungen sind:

  • Parametersätze in Schutzrelais, geschaltet nach dem Zustand von PCC- und Generatorschalter;
  • spannungsabhängiger Überstromschutz (ANSI 51V), der bei eingebrochener Spannung schon bei geringerem Strom auslöst;
  • Unterspannungsauslösung (ANSI 27) mit zeitlicher Staffelung der Abgänge;
  • Stromdifferentialschutz für Abgänge, bei denen Selektivität besonders wichtig ist;
  • Wechselrichter mit höherem kurzzeitigem Fehlerstrom, sofern der Hersteller solche Ausführungen anbietet.

Die Schutzstudie muss jede mögliche Quellenkombination im Inselbetrieb berücksichtigen, auch den nächtlichen Betrieb allein aus der Batterie.

Fehlermuster

FehlerUrsacheErkennbar an
Insel bricht bei der Bildung zusammenBatterie zu Beginn des Ausfalls unter ihrer Reservegrenze oder weiter versorgte Last über WechselrichternennleistungLadezustand im Moment der Inselbildung und Leistung am PCC unmittelbar vor dem Ausfall
Spannungseinbruch und Schützausfall nach UmschaltungMehrere Motoren starten gleichzeitig neuLeistungsspitze einer Lastgruppe, gefolgt vom Ausfall dieser Gruppe
Insel schaltet mittags abBatterie voll, PV-Überschuss ohne AbregelungPV-Leistung sinkt nicht, während der Ladezustand 100 % erreicht; danach Abschaltung
Generator startet nicht oder übernimmt keine LastFehler an Starterbatterie, Kraftstoffversorgung oder SteuerungKeine Generatorleistung innerhalb der erwarteten Startzeit
Ablagerungen durch Dieselbetrieb mit geringer LastLanger Inselbetrieb unter 30 % LastProtokollierte Stunden mit geringer Generatorauslastung
Wiederzuschaltung scheitert oder erfolgt hartSynchronprüfung überbrückt oder außerhalb der Grenzwerte eingestelltStromstoß am PCC bei der Wiederzuschaltung
Lastabschaltung bleibt ausSchützfehler, verlorener BMS-Befehl oder Ladepunkt ignoriert seine GrenzeLeistung der Lastgruppe bleibt nach Abschaltbefehl unverändert
Steuerung verwendet veraltete DatenVerbindung zum PCC-Messwandler verlorenEreignisprotokoll der Steuerung im Vergleich mit unabhängigen PCC-Daten

Ein geplanter Inseltest deckt die meisten Fehler vor einem echten Ausfall auf. Führen Sie ihn jährlich bei typischer Standortlast durch und wiederholen Sie ihn nach Änderungen an Lasten oder Einstellungen.

Welche Werte messen?

Das Microgrid braucht Messungen in zwei Geschwindigkeiten. Für Inselbildung, Resynchronisierung und Einspeisebegrenzung benötigt die Steuerung Spannung, Frequenz, Phasenwinkel und Leistung am PCC innerhalb weniger Netzperioden. Diese Werte kommen von ihren eigenen Messwandlern und den Schutzrelais, fest verdrahtet oder über ein eigenes Netz. Der Betreiber braucht zusätzlich Aufzeichnungen über Sekunden bis Minuten, um Ausfälle zu prüfen, Reserven zu kontrollieren, Kosten zuzuordnen und Änderungen zu planen.

OrtMesswerteSteuerung (Netzperiode bis unter eine Sekunde)Überwachung (Sekunden bis Minuten)
NetzanschlusspunktBezugs- und Einspeiseleistung in kW und kWh, kvar, Spannung, Frequenz, LeistungsfaktorInselbildung, Synchronprüfung, EinspeisegrenzeNetzaustausch, Tarif, Verlauf des Ausfalls
BatteriekW, kvar, Ladezustand aus dem BatteriemanagementsystemEinsatzplanung, ReservegrenzeLadezustand bei Inselbildung, Zyklen
GeneratorkW, kvar, Betriebsstunden, KraftstoffStart, LastaufteilungLastprofil, Stunden bei geringer Last
PV-WechselrichterkW, AbregelzustandAbregelung in der InselErtrag, durch Abregelung entgangene Energie
Jede LastgruppekW, kWhBestätigung von Ab- und ZuschaltungZeiten der Ab- und Zuschaltung, Kostenzuordnung
Wetter, vom Pyranometer oder PV-WechselrichterEinstrahlung, ModultemperaturKeinePV-Prognose und Ertragsprüfung

Im Inselbetrieb zählt der Leistungsfaktor stärker als am Netz. Die Insel muss ihre gesamte Blindleistung selbst liefern. Bei einem Standort mit schlechtem Leistungsfaktor erreichen Wechselrichter und Generator ihre kVA-Grenze deshalb vor der kW-Grenze.

Microgrid mit EpiSensor überwachen

EpiSensor-Stromzähler messen am PCC, an Generatoren und an jeder Lastgruppe. Sie melden die Werte über das Zigbee-Funknetz des Standorts an ein Gateway. Stromwandler- und Spannungsanschlüsse bleiben Installationsarbeit für Elektrofachkräfte. Von den Zählern zum Gateway sind keine Datenleitungen nötig. Auf dem Gateway läuft Edge: Es speichert Daten vor Ort, erfasst sie auch bei unterbrochener Internetverbindung weiter und übermittelt sie an die Plattform des Betreibers. Register von Batteriemanagementsystem, Wechselrichtern und Wetterstation können über Modbus in dieselbe Aufzeichnung übernommen werden.

Nach einem Ausfall zeigt die Aufzeichnung, wann das Netz verloren ging, welchen Ladezustand die Batterie bei der Inselbildung hatte, welche Gruppen abgeschaltet und wann sie wieder zugeschaltet wurden und wie das Aggregat ausgelastet war. Die Steuerung verwendet diese Aufzeichnung nicht zum Auslösen, Synchronisieren oder Begrenzen der Einspeisung. Solche Entscheidungen bleiben bei ihren eigenen Messungen, den Schutzrelais und gegebenenfalls einem Abrechnungszähler als getrennten, zertifizierten Geräten.

Zwei Planungsentscheidungen sichern die Überwachung während des Ausfalls, den sie erfassen soll: Versorgen Sie Gateway und relevante Zähler aus der kritischen Versorgung. Speisen Sie den PCC-Zähler auf der Standortseite des PCC. Ein Zähler an einem abgeschalteten Stromkreis meldet nach dessen Abschaltung nichts mehr und kann Funkrouten im Mesh mit unterbrechen. Der Anwendungsleitfaden zum Microgrid-Energiemanagement nennt die Messpunkte und die Geräte für jede Quelle und Lastgruppe.

Häufige Fragen

Worin unterscheidet sich ein Microgrid von einer Notstromversorgung?

Ein Notstromaggregat versorgt bei Netzausfall ausgewählte Lasten, meist nach einer Unterbrechung von bis zu 10 s. Ein Microgrid koordiniert mehrere Erzeuger, Speicher und Lasten als ein System, netzparallel und als Insel. Es bildet die Insel, schaltet Lasten ab und wieder zu und synchronisiert sich vor dem Schließen des Netzanschlusspunkts mit dem Netz.

Warum muss der Schutz im Inselbetrieb angepasst werden?

Ein Netztransformator kann bei einem Fehler mehrere zehn Kiloampere liefern. Ein Wechselrichter begrenzt seinen Strom auf ungefähr das 1,1- bis 1,5-Fache des Nennstroms; ein Synchrongenerator liefert in den ersten Netzperioden etwa das 5- bis 7-Fache. Ein auf Netzfehlerströme eingestellter unverzögerter Leistungsschalter löst bei Versorgung nur durch Wechselrichter möglicherweise nicht aus. Die Schutzstudie muss alle möglichen Quellenkombinationen der Insel abdecken.

Versorgt meine PV-Anlage den Standort bei Stromausfall weiter?

Nicht allein. Die meisten PV-Wechselrichter sind netzfolgend. Sie brauchen eine Netzspannung als Referenz und werden beim Netzausfall vom Netz- und Anlagenschutz getrennt. PV kann eine Insel nur mitversorgen, wenn ein netzbildender Batteriewechselrichter oder Generator Spannung und Frequenz vorgibt und die Insel überschüssige PV-Energie aufnehmen oder abregeln kann.

Was sind die wichtigsten Komponenten eines Microgrids?

Erzeugung (Photovoltaik, Wind, Generatoren oder Kraft-Wärme-Kopplung), Energiespeicher (meist eine Batterie mit ihrem Power Conversion System), die Lasten, ein Netzanschlusspunkt, an dem ein Leistungsschalter das Microgrid mit dem Netz verbindet und davon trennt, sowie eine Microgrid-Steuerung. Schutzrelais und Messungen am Netzanschlusspunkt, an den Quellen und an den Lastgruppen vervollständigen das System. Damit das Microgrid als Insel laufen kann, muss mindestens eine Quelle netzbildend sein.

Was macht eine Microgrid-Steuerung?

Sie setzt Erzeugung und Speicher ein und hält die Reserve für den nächsten Ausfall vor. Fällt das Netz aus, öffnet sie den Netzanschlusspunkt, wählt die netzbildende Quelle und schaltet Lastgruppen ab. Kehrt das Netz zurück, schaltet sie Lasten wieder zu und synchronisiert die Insel, bevor sie den Leistungsschalter wieder schließt. IEEE 2030.7 beschreibt diese Funktionen. Die schnelle Regelung von Spannung und Frequenz bleibt in den Reglern der Wechselrichter und Generatoren.